Es wäre bequem gewesen

Es wäre bequem gewesen, daheim in der gewohnten und vertrauten Umgebung zu entbinden, anstatt in einem Stall in Bethlehem.

Es wäre auch bequem gewesen, anlässlich des kommenden Reformationsjubiläums 2017 eine Themenreihe über die Reformation zu beginnen.

Es wäre auch bequem gewesen, beim Thema „Weihnachten 2015“ auf die schönen, romantischen und familiären Aspekte des kommenden Festes abzuzielen.

Aber Jesus ist nicht den bequemen Weg gegangen. Kirche darf und muss auch einmal klar Stellung beziehen angesichts der aktuellen Flüchtlingssituation und fremdenfeindlichen Demonstrationen und Taten. Wir nennen uns das christliche Abendland und sind stolz auf unsere christliche Kultur. Aber gerade deshalb sind wir als Christen gefordert, in unserem Verhalten der Botschaft von Jesus gerecht zu werden und ihm nachzufolgen. Nicht eine Islamisierung gefährdet unsere christliche Kultur, sondern wenn die Nächstenliebe erkaltet und durch Angst, Hass und Gewalt überlagert wird.

Bequem ist der Weg Jesu nicht, aber mit Gottvertrauen, Zuversicht und Gebet gut begehbar.

Weihnachten ist das Fest der Liebe, so heißt es. Was aber meint das?
Sicher spielen da viele Kindheitserinnerungen an Weihnachten in der Familie mit hinein, verbunden mit den Gefühlen von Geborgenheit, Glück und heimeliger Atmosphäre.

Aber auch theologisch, dass Gottes Liebe Mensch wird und sich in dem Kind in der Krippe personalisiert. Und sich dann im Leben dieses Jesus fortsetzt, in der Art und Weise, wie er mit Menschen umgeht und ihnen begegnet.

Er setzt sich mit den Menschen an einen Tisch und schließt keinen aus von dieser Tischgemeinschaft. Gerade die Außenseiter der damaligen Gesellschaft haben es ihm angetan, die Zöllner, die Huren, die Kranken und Aussätzigen. Seine Ethik fasst er im Doppelgebot der Liebe zusammen (Du sollst Gott lieben und deinen Nächsten wie dich selbst.). Und spitzt es in der Bergpredigt noch zu im Gebot der Feindesliebe, dass es so in keiner anderen Religion gibt.

Was aber heißt das für unser Weihnachten 2015 mit den Krisenherden der Welt, den Flüchtlingsströmen bei uns und der Angst vor Überfremdung? Sicher nicht, gegen Fremdes und Fremde demonstrieren, hetzen oder Hass schüren. Das wäre keine Bewahrung des christlichen Abendlandes, sondern eher ein Verrat an den christlichen Werten und an Jesus selber.

Es kann eigentlich nur heißen, im Sinne Jesu, mit Liebe und Gottvertrauen die Aufgaben anpacken, die sich uns stellen und den Flüchtlingen in ihrer Not zum Nächsten zu werden.

So erzählt es Jesus in der Geschichte vom barmherzigen Samariter, der einen ihm Fremden half und unterstützte, der nicht mal von seinem eigenen Volk war. Einfach nur, weil er dessen Not sah! Irgendwie schon erstaunlich, wie hochaktuell die alten Geschichten von damals auf einmal sind.
Martin Völkel, Pfarrer in Aufseß und Brunn