„Reformation“ bei uns in Ebermannstadt

Ebermannstadt war immer mehrheitlich römisch-katholisch und ein Bollwerk gegen das evangelische Streitberg. Darum gibt es keine klassische „Reformationsgeschichte“ Ebermannstadts.
Trotzdem ist die Geschichte der jungen Gemeinde in Ebermannstadt besonders. Vor dem 2. Weltkrieg lebten nur rund zehn evangelische Familien in Ebermannstadt. Ohne Grundbesitz waren sie keine Landwirte, sondern ein Fruchtsafthersteller, ein Betreiber einer Druckerei oder der Wirt des Goldenen Engel neben der St. Nikolauskirche. Lange bestand die heutige Stadt Ebermannstadt aus den eigenständigen Teilen Breitenbach und Ebermannstadt, die sich nicht immer so ganz grün waren.

Die eigentliche evangelische Geschichte in Ebermannstadt beginnt mit den Flüchtlingen des 2. Weltkriegs, überwiegend aus Schlesien kommend.
Bald wächst die Gemeinde, die kirchlich zu Streitberg gehört, auf über 600 Personen an. Den Beginn der Gemeinde prägt Schifffahrtsmissionar Martin Lederer, selber schlesischer Flüchtling. Er organisiert Bibelstunden und Kleiderverteilung, besucht die Flüchtlinge. 1948 wird Pfarrer Wilhelm Reisgies nach Ebermannstadt geschickt. Er soll eine neue Gemeinde Ebermannstadt gründen. Eine bemerkenswerte Begebenheit ist die Erlaubnis der katholischen Kirchengemeinde Ebermannstadt, die Marienkapelle – Ebermannstadts Wahrzeichen – für regelmäßige evangelische Gottesdienste zu öffnen. Und das in einer Zeit, in der Ökumene noch sehr in den Anfängen steckte und zum Beispiel konfessionsverbindende Ehen noch eine sehr schwierige Sache waren. Zwar wurde das ewige Licht vor jedem evangelischen Gottesdienst entfernt, doch eine ganze Reihe von Menschen haben in der Marienkapelle unter anderem ihre Konfirmation gefeiert.
1949 wird für die Evangelischen eine Holzbaracke in der Pretzfelder Straße erworben. Dort finden Konfirmandenarbeit und Bibelstunden statt und es wird eine Ausbildung zur Näherin für junge evangelische Frauen ohne Arbeit organisiert.

Doch der Wunsch nach der eigenen Kirche wurde unter den evangelischen Ebermannstädtern immer größer.
1957 konnten sie ein Grundstück am Hasenberg erwerben, das damals noch ein gutes Stück außerhalb der Ortsbebauung lag. Und wieder kam es zu einem bemerkenswerten Akt der Solidarität. Der Kirchengemeinde wurde gestattet, für den Bau der Kirche eine Haussammlung im gesamten damaligen Landkreis Ebermannstadt durchzuführen.
Wichtige Persönlichkeiten der Ebermannstädter katholischen Gemeinde konnten als Anfangsspender und „Eisbrecher“ gewonnen werden.
So sind viele katholische Spenden in den Bau der Emmauskirche mit eingeflossen. Und es wurde nicht nur Geld gespendet, auch Sachspenden wurden gegeben, zum Beispiel von Landwirten, die keine hohen Geldbeträge geben konnten, aber mehrere Ster Holz, die dann verkauft werden konnten.
Die Planung der Kirche übernahm der Georgsgmünder Architekt Wolfgang Gsaenger.
Und am 7. Mai 1960 war die feierliche Grundsteinlegung.
Mit einem großen Festzug aus der Stadt wurde am 3. September 1961 die Emmauskirche eingeweiht. Und es ist kein Zufall, dass dies derselbe Tag war, wie der Kirchweihtag der Marienkapelle, die die Anfänge der evangelischen Gemeinde beherbergt hatte. 1960 kamen auch die in München gegossenen drei Glocken „Glaube“, „Liebe“ und „Hoffnung“ in den Kirchturm. Erst 1967 konnte die Orgel in der Kirche eingerichtet werden und mit dem Anbau von Pfarrhaus und Gemeindehaus bekam das evangelische Gemeindezentrum um die Emmauskirche ihr heutiges Gesicht.

Geprägt wurde die Gemeinde durch ihre Pfarrer Martin Lederer, Wilhelm Reisgies, Heimfried Heller, Reinhard Zorn und Rudolf Schmidt.
Gut 1200 Gemeindeglieder zählt die Kirchengemeinde heute.
Ebermannstadt war immer mehrheitlich römisch-katholisch und doch hat sich die evangelische Emmausgemeinde in der kurzen Zeit ihres Bestehens zu einem festen Bestandteil der Stadt entwickelt.
Stefan Berner, Pfarrer in Ebermannstadt